Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht - oder wie ich Waldbaden definiere

Shinrin Yoku: so unschuldig kamen die Worte daher und ich verliebte mich vor Jahren gleich in die deutsche Übersetzung: Waldbaden. Wie treffend hatten es die Japaner formuliert, dieses Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes, ein Bad nehmen in der guten Luft zwischen all den Bäumen.

Natürlich vertiefte ich mich zuerst einmal in die Literatur und tauchte ab in meinen heimischen Wald. Ich erkannte viele Parallelen zu dem, was ich sowieso schon tat, alleine oder auch mit meinen Gruppen.

 

 Die Worte von Dr. Qing Li brachten es auf den Punkt:

 "....man solle den Wald mit allen fünf Sinnen genießen: das Murmeln eines Baches, Vogelgesang, grüne Farbe, Duft des Waldes, etwas aus dem Wald essen und einfach die Bäume berühren".

Quelle: http://www.hphpcentral.com/article/forest-bathing  He says while forest  bathing it’s not important to do heavy physical exercise, but rather one should 
‘enjoy the forest through the five senses: the murmuring of a stream, bird’s singing, green colour, fragrance of the forest, eat some foods from the forest and just touch the trees’.

 Doch je tiefer ich in das Thema einstieg, desto verwirrender wurden die Begrifflichkeiten: Waldtherapie, Waldtherapie-Führer, Naturtherapeuten..... - gerade in der letzten Zeit.

 

Besonders bei dem Begriff "Waldtherapie" hatte ich öfters den Eindruck, dass eigentlich das Waldbaden gemeint sei. Also forschte ich weiter - ich wollte es ja genau wissen. Eigentlich dachte ich, dass das nur ein "deutsches" oder "westliches" Phänomen sei.

 

Aber nun beginnt es auch in Japan: der Begriff Shinrin Ryoho taucht nun auf. Aha, noch etwas anderes oder neues? Übersetzt wird es als Waldtherapie, oder ich habe es auch schon als "Von Experten geführtes Waldbaden" gelesen.

 

Wie soll man denn da noch durchsteigen, wenn man mit dem Thema gar nicht so vertraut ist,  und einfach mal im Wald baden will?

 

Nach all dem Studieren und Ausprobieren und nach nun jahrelangem Eintauchen in die Waldatmosphäre mit Gruppen habe ich eine klare Meinung dazu. Und damit ihr wisst, wie diese ist, möchte ich sie hier kurz zusammenfassen:

 

Ich biete Waldbaden an. Waldbaden als wunderschöne und effektive Entspannung. Ich lade meine TeilnehmerInnen ein, sich selbst im Wald (wieder neu) zu entdecken und zu spüren.

Für mich wird Waldbaden immer leicht sein. Wir werden dabei weiterhin schweigen und weiterhin lachen, wir werden weiterhin alleine unterwegs sein und in der Gruppe. Und wir werden uns austauschen oder eben nicht - jede/r kann, keiner muss. Das ist mein Motto.

 

Ganz klar distanziere ich mich von dem Begriff "Therapie". Ich bin kein Therapeut - also biete ich auch keine Therapie an. In diesem Zusammenhang finde ich auch den Ausdruck Waldtherapie-Führer etwas irreführend.

 

Gerade hatte ich eine interessante Diskussion mit TeilnehmerInnen und künftigen KursleiterInnen: Alle lehnten den Begriff Therapie ab. Therapie mache das Eintauchen in den Wald so "schwer". Und wenn ich es Waldtherapie genannt hätte, wären viele gar nicht gekommen. Sie alle hatten besondere Freude an der Leichtigkeit.

 

Und so sehe ich mich auf dem richtigen Weg. Es ist einer der Gründe, warum ich mich dazu entschlossen habe eine Ausbildung in diesem Bereich anzubieten. Ich freue mich, wenn ich überall KursleiterInnen habe, die das Waldbaden als eine wundervolle Praxis der Achtsamkeit und des Wahrnehmen verbreiten. Nicht mehr und nicht weniger (denn das ist schon ganz schön viel :)

 

Mit war es wichtig, das einmal ganz klar zu definieren, denn es gibt tolle KollegInnen, die Waldtherapie oder Naturtherapie anbieten oder darin auch ausbilden. Für mich aber auch ganz klar, wo Therapie draufsteht sollte auch (wenn erforderlich) Therapie drin sein.

 

Beim Waldbaden biete ich zudem auch kein Survivaltraining, keine Visionssuche, keine komplizierten Meditationen oder Ähnliches an. Nichtsdestotrotz können tiefe Naturerfahrungen bei Menschen besondere Reaktionen auslösen - dafür stehe ich selbstverständlich auch nach dem Waldbad den Menschen zur Verfügung und sensibilisiere auch die künftigen KursleiterInnen dafür.

 

Doch in erster Linie bleibt mein Waldbad leicht und lädt zum Genießen und Entspannen ein, fern von (Wald)therapie.

 

Du bist immer herzlich willkommen.

 

Annette Bernjus